Vielleicht scheitern manche Träume absichtlich. Im Kindergarten habe ich mir Ges
By Charleenhay · October 13, 2026 · Curated by George's Blog
Vielleicht scheitern manche Träume absichtlich.
Im Kindergarten habe ich mir Geschichten ausgedacht und sie stundenlang den anderen Kindern erzählt. Meine Mama redet noch heute stolz davon. „Mein kleiner kreativer Geist.“
Als ich eingeschult wurde, war für mich klar: Scheiß auf nette Worte, ich werde Tierärztin.
Ich habe damals verstanden, dass mein Hund Josy meine Hochzeit nicht mehr erleben wird. Wie unfair ist es bitte, so etwas mit 6–7 zu realisieren?!
Also mache ich das einzig sinvolle: Tierkrankheiten auswendig lernen. Wissen anhäufen. Machtvoll fühlen. Als könnte ich doch etwas tun.
Eine Folge „Hund, Katze, Maus“ später war der Plan dann erledigt. (Eine Katze musste gehen und ich habe gefühlt mehr geweint als die Besitzerin).
Mir wurde klar, was meine Mama schon längst wusste: Das packst du nicht.
Ein paar Jahre später der nächste Entschluss: Ich will Journalistin werden. Anderen eine Stimme geben. Mich für Tiere einsetzen, auf eine Weise, die ich kann: Geschichten erzählen.
Der Plan: Modejournalismus als Brot-und-Butter-Job, daneben für Tierschutzorganisationen schreiben. Ich will beides vereinen: Spaß und Sinnhaftigkeit, Herz und Verstand.
Ich reiße mir den Arsch auf, schreibe bessere Noten. (Gehe wieder regelmäßig in die Schule. 👀) Mache die nötigen Abschlüsse. Bewerbe mich an Journalistenschulen und auf Studiengänge.
Keine Chance.
Entweder werde ich nicht angenommen oder kann mir die Gebühren nicht leisten. Mein Traum scheitert am Geld. An meinen Umständen. Und ich habe das erste Mal in meinem Leben keinen Plan B. Keine Orientierung. Aber ich bin mittlerweile volljährig und MUSS irgendeinen nächsten Schritt gehen.
Also entscheide ich mich für das einzige logische, nämlich dafür mich gar nicht zu entscheiden.
Ich schreibe drei Bewerbungen für drei völlig unterschiedliche Ausbildungen.
Soll das Universium doch entscheiden. Mal schaun was wird.
Es wird Marketing.
Newsletter, Pressearbeit, Broschüren, Messeauftritte. Nichts davon habe ich mir als Kind irgendwie ausgemalt. Und doch fühlt es sich richtig an.
Ich liebe meinen Beruf. Gehe darin auf. Aber hin und wieder fühlt er sich nach einer Haltestelle an. Nach einer wichtigen, aber eben nicht wie das eigentliche Ziel.
Nach zehn Jahren Marketing verstehe ich langsam, warum sich dieser Weg so richtig anfühlt:
Ich mache längst, was ich mir vom Journalismus gewünscht habe. Ich gebe Dingen eine Stimme. Mache sie sichtbar. Verständlich. Zugänglich.
Und ich lerne täglich so viel für mich selbst: Gespräche anfangen, auf fremde Menschen zugehen und sie zu erreichen. Ich lerne, laut zu sein. Mir selbst eine Stimme zu geben. Alles Dinge, die mir als introvertiertem Menschen extrem schwerfallen.
Ich habe immer noch das Gefühl das Marketing nicht alles ist. Das da mehr kommt. Keine Ahnung was das überhaupt bedeuten soll. Vielleicht ergibt es irgendwann rückblickend Sinn.
Aber eins weiß ich schon: Mein Umweg war kein scheitern, sondern ein Anfang.
#PLMLinkedInChallenge